Korrekter Brennpunkt

Max Bode und Chris Schlicht an einer Schienenweiche

Auf der Suche nach einer neuen Haltung für die Kirche von morgen.

Unsere Gemeinde ist die Emmaus-Gemeinde in Bremerhaven. Sie liegt in einem sozialen Brennpunkt. Überall Hochhäuser und mittendrin eine Kirche. Dort arbeiten wir. Allerdings haben die meisten Menschen bei uns im Viertel mit Gott und der Kirche nicht so viel am Hut.

Aber wenn sich Besucher:innen dann doch in unsere Gottesdienste getraut haben, hören wir oft: „So wie Pastoren seht ihr aber gar nicht aus.“ Denn wir sind beide tätowiert und tragen zerrissene Jeans mit Hoddie. Für uns ist das die korrekte Kleidung für einen Gottesdienst. Unsere Alltagskleidung, kein liturgisches Gewandt. So zeigen wir den Leuten: Kommt genauso wie ihr seid. Wenn zu euch Cap und Jogginghose gehören, könnt ihr genau so in den Gottesdienst kommen. Diese Message lässt sich in einem Akademiker-Gewand des letzten Jahrtausends schwieriger vermitteln.
Weil die Leute hier nicht zur Kirche kommen, haben wir uns auf den Weg gemacht. Bei uns kommt die Kirche zu den Menschen nach Hause. Dafür nutzen wir vor allem soziale Medien. Am meisten Instagram:. Dort heißen wir @wynschkind und @pynk_pastor. Dort können uns die Leute erstmal auf Abstand kennenlernen. Wenn uns auf Instagram Menschen erleben, dann merken sie: Hey, die beiden Pastoren sind doch ganz korrekte Jungs.

Das ganze funktioniert aber auch umgekehrt. Wir bekommen durch soziale Medien viel von unserer Gemeinde mit. So entsteht durch das Miterleben in den sozialen Medien ein gemeinsames Zusammenleben. Und Austausch ist uns wichtig.

Dafür ist aber die korrekte Sprache notwendig. Wir haben schnell festgestellt, dass hochgestochene und intellektuelle Sprache die Menschen in unserem Viertel nur abschreckt. Wir verzichten also darauf. Stattdessen achten wir auf Verständlichkeit und ehrliche Sprache. Übrigens mit allem was im Alltag dazu gehört, also auch Schimpfwörtern oder Kraftausdrücken.

Nicht zuletzt geht es uns um die korrekte Form. Ein „Agende Eins“-Gottesdienst mit allem drum und dran funktioniert nur noch für wenige Hardcore-Fans dieser Form. Zwar landen unsere Gottesdienste auch im Netz, aber wir achten darauf, dass wir uns vielfältiger aufstellen. Denn es gibt keine Form, die allen gefällt. Das gilt sowohl für Gottesdienste als auch für andere Angebote. 

Die Botschaft der Liebe Gottes ändert sich dabei nicht. Die Art und Weise, wie wir diese Botschaft weitererzählen, aber schon. Darum können wir ganz frei ausprobieren, welche Formen zu uns passen, um damit Gottes Message rüber zu bringen. So passiert es uns regelmäßig, dass ein 15-sekündiges TikTok-Video oder eine Instastory mehr Menschen erreicht als unser Gottesdienst.

Wir sind auf der Suche nach einer neuen Haltung für die Kirche von morgen. Das geht aber nur gemeinsam. Zusammen mit unserer Gemeinde sind wir auf dem Weg und testen liebevoll Neues. Aber alles was wir ausprobieren, entspricht volle Pulle uns beiden. Denn wir wollen nichts vorspielen. Wir wollen alles so machen, dass wir selber Bock darauf haben. Und darum wollen wir Mut machen, sich ebenfalls auf diesen Weg zu machen – Gemeinsam mit engagierten Menschen vor Ort Formen und Ideen zu finden und umzusetzen, von denen ihr sagt: „Ey, das ist doch mal ‘ne korrekte Idee.“ Denn wir haben festgestellt: Mit Gottes Hilfe finden sich Leute, die mitmachen wollen.

Christopher Schlicht, 1988, (Pastor, Autor) wuchs als Sohn eines Pastoren auf. Er studierte evangelische Theologie in Göttingen. Seit  2020 arbeitet er zusammen mit Maximilian Bode in einem sozialen Brennpunkt Bremerhavens und auf Instagram als @wynschkind.

Maximilian Bode, 1991, (Pastor, Autor) wuchs in einem Lehrer:innenhaushalt auf, hat ev. Theologie und Philosophie studiert. Jetzt arbeitet er mit Christopher Schlicht in der Emmaus-Gemeinde in Bremerhaven. Auf Instagram ist er unter @pynk_pastor unterwegs.

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