Wir beziehen Position

Die fünf Silhouetten der Mitglieder des Kernteams der Korrekten Bande vor einem Regenbogen-Hintergrund

Bild: Ben R. / rainking.de

Als wir mit der Korrekten Bande neu anfingen, waren wir uns von Anfang an einig, dass wir uns an die Seite von Menschen stellen wollen, die homosexuell, bisexuell, transgender, queer, nonbinär sind oder auf eine andere Weise nicht einem heteronormativen Weltbild entsprechen.

Bis wir aus unseren Ansichten dann gemeinsam ein Statement formuliert hatten, hat es dann doch eine Weile gedauert (ihr wisst ja wie das ist), aber jetzt ist es fertig. Hier ist es:


Statement LGBTQIA+

Als Kernteam der Korrekten Bande positionieren wir uns gegen die Diskriminierung von Menschen, die zur Community der LGBTQIA+ gehören.

Wir stellen fest, dass Gott Menschen mit verschiedenen geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen geschaffen hat. Wir sehen das Empfinden und Ausleben von nicht-heteronormativer Sexualität als Ausdruck von Gottes schöpferischer Vielfalt und nicht als Widerspruch zu seiner „Schöpfungsordnung“.

Was die fraglichen Bibelstellen angeht, schließen wir uns den Theolog:innen an, die diese intensiv untersucht haben und sie im Kontext ihrer Zeit und Kultur sehen.

Daher kann in der Korrekten Bande jede:r, unabhängig von der geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung, uneingeschränkt mitarbeiten. Alle sind willkommen. Wir empfinden es als Bereicherung, dass sich in unserer Redaktion Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen, Hintergründen usw. einbringen.

Wir werden keine Texte veröffentlichen, in denen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität diskriminiert werden. Ebenso werden wir keine Artikel veröffentlichen, in denen Menschen aufgrund von Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Alter, Geschlecht, Behinderung … diskriminiert werden.

Wir sehen die tiefen Verletzungen, die Christ:innen über lange Zeit bei Menschen verursacht haben, die nicht-heterosexuell empfinden bzw. nicht-heteronormativ leben. Der lang praktizierte Umgang mit diesem Thema macht uns wütend und traurig. Wir wünschen uns, dass diese Verletzungen heilen können, ein gutes Miteinander entsteht und es noch mehr Veränderung in Köpfen und Herzen gibt.

Wir empfanden folgende theologische Inputs/Statements zu diesem Thema als hilfreich:

Jens Stangenberg, dreiteilige Predigtreihe oder hier

Siegfried Zimmer, Predigt

Luca Badini Confalonieri (Hauptautor), Christliche Einwände gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen: Eine akademische Bewertung (pdf)


Das Statement ist ab jetzt in unserer „über uns“ Unterseite zu finden. Möglicherweise werden wir in Zukunft noch etwas daran verändern, wer weiß. Die Version in diesem Post wird dann nicht aktualisiert werden. Die Version unter „über uns“ wird dann im Zweifelsfall die aktuelle sein.

Ben fürs Kernteam der Korrekten Bande

4 thoughts on “Wir beziehen Position

  1. Ich meine, es war abzusehen, dass es irgendwann zu solch einem Statement kommen wird.
    Für mich zeugt es zum einen von Hilflosigkeit, weil man nicht weiß, wie man Menschen aus der Personengruppe, um die es hier geht angemessen begegnen soll… zum anderen aber auch davon dass man selbst zu wenig Orientierung hat, um sich ein eigenes tragfähiges Urteil bilden zu können. Man schenkt den Leuten Glauben, die ihre Argumente überzeugend rüberbringen können. Die Hintergründe liegen wohl sehr tief und sind daher nicht so einfach zu sehen. Ich habe bei keinen „Befürworter der großen Freiheit“ wenigstens die Bereitschaft erlebt, sich ehrlich und ergebnisoffen mit Geschlechtlichkeit in aller Weite und Tiefe zu beschäftigen.

    (Ich mag Siegfried Zimmer und ich mag grundsätzlich auch seine Art der Auseinandersetzung mit allerlei Themen. Aber bei diesem Thema übersieht er nach meiner Meinung ganz wesentliche Dinge, oder will diese einfach nicht wahrhaben.)

    Wir sind heute offenbar weniger denn je bereit, Spannungen auszuhalten. Wir erklären Normen für hinfällig, weil wir es nicht aushalten, jemand von ganzen Herzen zu lieben (und auszuhalten), der aus welchem Grund auch immer, die Norm nicht erfüllt.
    Es interessiert einfach nicht, dass es keinerlei (natur-) wissenschaftliche Erweise zu den Thesen, die aufgestellt werden gibt. Es ist einfach so was von ‚out‘ eine „andere Meinung“ zu haben.
    Bibelstellen werden so lange gerüttelt und geschüttelt, bis all das herausgefallen ist, was unbequem und vielleicht als ‚unerfüllbar‘ erscheint. Die ehrliche Auseinandersetzung mit allen sich eventuell ergebenden Konsequenzen wird gescheut.

    Man verabschiedet sich von einer ‚Wahrheit nach der anderen‘.
    Die Dekonstruktion der Fundamente des christlichen Glaubens ist im vollem Gange.
    Das ist kein guter Weg.

    1. hallo Peter, leider hast du keine wirklichen Argumente präsentiert. Ich finde das allerdings häufig bei Christen, und möchte das daher hier einmal exemplarisch addressieren.

      Es ist auffällig, dass in der Diskussion pro/kontra Homosexualität die Pro-Seite sich mit Theologie auseinander setzt, die gesellschaftliche Situation bewertet etc, während die Kontra-Position konservativer Christen lediglich darin besteht, plakativ den Zerfall christlicher Moral und Werte zu beschreien. Das ist selbst dann kein Argument, wenn Akzeptanz (von Homosexuellen etc) ein Zerfall von christlichen Werten wäre. Augenfällig ist hier, das man quasi Sünde und Homosexualität gleich setzt, ohne herzuleiten, warum genau denn Homosexualität falsch sei. Das ist nicht neu, im Gegenteil. Über Jahrhunderte wurden Homosexuelle damit diskriminiert, dass sie ob ihrer sexuellen Ausrichtung kriminalisiert wurden, zB indem man sie mit Vergewaltigern und Knabenschändern in einem Atemzug nannte. Ein Synonym für Homosexualität war zum Beispiel Sodomie. Hier schafft man Bilder und Assoziationen zu anderen verwerflichen Aktionen, die bis heute in unseren Köpfen spuken und so uns massiv voreingenommen machen. Wir sind nicht von natur aus unvoreingenommen gegenüber Homosexuellen, und werden erst durch unser Bibelstudium informiert, dass es falsch sei – so suggerieren es viele zwar, aber das ist kulturell und gesellschaftlich belegbar falsch: In nahezu allen Kulturen und Gesellschaften herrscht ein Vorurteil ggü Homosexuellen, einfach, weil es eine seltene Randgruppe ist, und es ist auch nachvollziehbar, denn heterosexuelle Menschen empfinden Ekel vor homosexuellen Praktiken. Aber Kinder empfinden, bevor sie in die Pubertät kommen, auch Ekel vor heterosexuellen Praktiken, dieser Instinkt ist also ein schlechter Ratgeber, sondern sagt lediglich aus, dass man anscheinend sexuell nicht in dieser Richtung aktiv ist. Meine eigene latente Homophobie nun zur Richtschnur über andere Menschen zu erheben ist, was Christen berüchtigt macht (und ebenso den Islam, und viele andere Glaubensrichtungen). Was dem Fass den Boden ausschlägt, ist, dass die meisten Christen auch ignorant sind gegenüber den alamierenden Zahlen von Suiziden unter Homosexuellen. Seit in den USA die Diskriminierung Homosexueller (ect) verboten wurde, sind Teenage Suizide um mehrere zehntausend Fälle pro Jahr ZURÜCK gegangen (google mal teenage suicide und gay marriage), aber ich habe tatsächlich Pastoren erlebt, die die hohe Anzahl von Suiziden als Beleg dafür sehen, dass sie recht haben, und Homosexualität eine Krankheit nennen, die nun mal tödlich endet (fuck you, sorry, das ist so übel, mir wird schlecht…) – und nicht als Resultat von gesellschaftlicher Ächtung von LTGBQ und das Resultat von Mobbing. Spätestens mit dem staatlich verordneten Ende der Diskriminierung und der damit einhergehenden rückläufigen Suizidstatistik müsste uns eigentlich klar sein, dass nicht Homosexualität das Problem ist, sondern die Gesellschaft, die es verurteilt.

      Was ich nicht verstehe, ist, wie eine christliche Gesellschaft angesichts solcher hohen Suizidzahlen von in den Tod gemobbten LTGBQ mit den Schultern zucken können und „Liebe beinhaltet auch Kritik“ sagen können, wenn sie ungefragt Homosexualität als Sünde deklarieren, ohne irgendwelche fundierte biblische Auslegung.

      Fun Fakt: die Position der Katholischen Kirche in Deutschland ist übrigens, dass sie nicht belegen kann, dass Homosexualität eine Sünde sei. Ein kath. Theologe hatte dies hinterfragt und eine Apologetik zu Gunden der Homosexualität geschieben. Rom hatte daraufhin die Bischhöfe in Deutschland angewieden, diesen Theologen aus seinem Amt zu heben, woraufhin die Antwort der deutschen katholischen Theologen war: sorry, aber der Kollege hat nicht seine Meinung gesagt, sondern eine biblisch sehr gut fundierte Argumentation gebracht, in deren Schlussfolgerung wir keine Löcher finden. Wenn wir das widerrufen und ihn als Irrlehrer entlarven sollen, müssten wir keine Dogmen, sondern Argumente haben.

      Und so, mein Lieber, argumentiert man richtig.

  2. ihc wollte eigentlcih nix dazu schreiben, aber jetztt doch.
    „zum anderen aber auch davon dass man selbst zu wenig Orientierung hat, um sich ein eigenes tragfähiges Urteil bilden zu können. “
    man könnte auhc sagen, ihr ladet einfach alle ein, egal wie Sie sind.

    Jesus meinte ja auch schon:
    kommt her ALLE die müsehlig und beladen sind, ich will euch erfrischen.
    Find ick gut.

  3. Freue mich herzlich über das Statement. Dass da Kritik kommt, ist leider so logisch und zu erwarten wie das klassische Amen in der Kirche. Meist wird von den wenigen sechs bekannten Bibelstellen her geurteilt, die prominenteste ist wohl im Mose „Wenn ein Mann bei einem Manne liegt wie bei einer Frau…“, das interesante an dieser Bibelstelle, die uns so eindeutlig zu sagen scheint, dass gleichgeschlechtliche Liebe Gott ein Greuel sei, ist, dass Theologen der letzten Jahrhunderte an dieser Stelle verzweifelten, weil sie eben nicht so eindeutug zu deuten ist, wie der Laie es meint.

    Zum einen fehlt hier zu einer Ächtung gleichgeschlechtlicher Liebe die Nennung der lesbischen Liebe – es werden explitiz nur Männer addressiert, im Kontrast dazu ging es in den Stellen zuvor explizit sowohl um Frauen wie auch Männer. Zum Anderen ist ein gleichgeschlechtlicher Akt nicht synonym mit Homosexualität; wäre es so, wäre die Vergewaltigung einer Frau synonym für Heterosexualität und somit völlig okay (sofern der Täter männlich ist) – und das wird ja keiner ernsthaft behaupten wollen.

    Zudem gibt es von Theologen weitere Einwände, denn es gab in der damaligen Zeit zB. die Praxis, Jünglinge (vor dem Stimmbruch) mit Alkohol gefügig zu machen, in Frauenkleider zu stecken und zu „verführen“; auch das ist nicht „Homosexualität“, im Gegenteil. Darüber hinaus sind manche sich nicht ganz sicher, ob es nicht bei dieser Stelle um die Ächtung von einem Dreier mit zwei Männern geht, aus ganz banalem Grunde: Wenn zwei Männer gleichzeitig bzw nahe nacheinander mit einer Frau schlafen, ist die Nachfahrenschaft des eventuell daraus resultierenden Kindes nicht eindeutig geklärt – DNA-Tests waren damals eher selten – und das war damals ein überaus wichtiges Thema, zumal es auch darum geht, welcher Mann denn dann sich als Versorger für das Kind verstehen soll. Die Bibelstelle so zu interpretieren macht Gesellschaftlich wirklich sinn, denn es geht um reelle Probleme, die daraus resultieren, die von gesellschaftlicher Relevanz sind.

    Gleichgeschlechtlicher GV hat zudem in den allermeisten Fällen nichts mit Homosexualität zu tun. Bis heute wird es in vielen Kulturen, die offen Homosexualität verurteilen, praktiziert, was uns eigentlich hätte stutzig machen müssen. Es war z.B. üblich, dass der Herr GV mit seinen männlichen Sklaven hatte, als Zeichen der Unterordnung. Das trägt sich bis heute im Sprachgebruch des Wortes „gef#kt sein“, was bedeutet, dass der gef#ckte der untergeordnete, und der aktive Part der dominierende ist. Das hat wieder nichts mit Homosexualität zu tun. Und es braucht keine große Phantasie, dass Gott so ein Verhalten nicht billigt, weil es verletzend und herrschsüchtig und nur einseitig befriedigend ist.

    Was gesellschaftlich keine Relevanz hatte, und das leider bis ins späte 19. Jahrhundert, war Homosexualität. Es war aus vielen Gründen irrelevant, zum Einen, weil es erst der französischen Romantik bedurfte, um der Gesellschaft den Wert des Individuums nahe zu bringen, und somit auch die Heirat aus Liebe. Deshalb gab es noch nicht einmal ein Wort dafür, erst ein Journalist, der in seinen Artikeln die alamierende Anzahl von Suiziden unter homosexuelen Männern thematisierte, prägte dieses von ihm erfundene Wort, welches in wohl allen bekannten Sprachen seither unverändert übernommen wurde.

    WIR HATTEN KEIN WORT FÜR HOMOSEXUALITÄT VOR 1870! Das sollte man bitte einmal auf der Zunge zergehen lassen, bevor wir, mit unserem im 21 Jhd geprägten Kultur anfangen, Bibeltexte von vor 2-3000 Jahren zu interpretieren.

    Noch ein Indiz: Es ist natürlich unglaublich viel einfacher, zu glauben, dass Gott hier eine Minderheit von 1-2 % der Bevölkerung anspricht, als anzunemen, dass es um etwas geht, das wirklich uns alle betrifft. Aber wahrscheinlicher wird es dadurch nicht. Vor allem, weil nicht wirklich schüssig ist, warum Homosexualität denn so schlecht ist, dass Gott es verurteilen sollte. Wer behauptet, es läge daran, dass Homos keine Kinder zeugen können, denkt sehr kurz – mal abgesehen davon, dass Gott die unfruchtbare Frau auch nicht verurteilt, sondern Trost zuspricht, finde ich es ziemlich krank, alleine wegen der „Aufrechthaltung der Art“ Homosexualität als falsch zu bezeichnen. Dazu: wäre es so, wo ist dann die Bibelstelle, die das Single sein verurteilt? Schließlich erhält man so auch nicht die Art… Im Gegenteil predigt Paulus sogar das Single-Sein als Bereit sein für Jesus (ohne es aber vorzuschreiben). Das können wir also ausschliessen. Dennoch ist das meist das Hauptargument der Christen. Eigentlich ist das christliche Argument gegen Homosexuelle, dass es nicht ok ist weil die Bibel das so sagt, was natürlich in sich völlig unschlüssig ist und näherer Betrachtung vorne und hinten nicht standält. Früher wurde dann noch als Beleg der „liderliche Lebenswandel Homosexueller“ herangeführt. Das ist übel, denn natürlich ist es nicht okay, ständig wechselnde Partner zu haben, egal ob hetero oder homo. Homosexuellen wurde aber so unterstellt, dass sie ob ihrer Neigung sexuell ausschweifender sind als Heteros. Und wieder wird etwas anderes als die sexuelle Neigung herangezogen, um Homosexualität zu diskreditieren. Und so zieht sich das durch die christliche Apologetik seit vielen Jahrzehnten.

    Wer etwas in anderen Kulturen herumschaut, wird feststellen, dass Homosexuelle generell am Rande stehen. Im agnostischen Russland werden Homosexuelle kriminalisiert, im islamischen Iran inhaftiert und gesteinigt. Nicht etwa, weil sie tatsächlich strafbare Handlungen schuldig waren, sondern alleine, weil offen zur Schau gestellte Homosexualität eine strafbare Handlung sind. Wir Christen wissen, dass unser Gott ein Gott der Minderheiten ist, und sollten nicht voreilig andere Minderheiten verurteilen. Der Zug ist wohl abgefahren, aber wir können wenigsten jetzt, mit etwas mehr Verstand, revidieren und deutlich aufbegehren und Homosexuelle, sowie generell der LTGBQ Community, zusprechen, dass wir sie nicht verurteilen, und dass Gott sie nicht verurteilt. Es ist unsere Dienstanweisung direkt von Jesus, das, was gebunden war, freizusetzen. Lasst uns das praktizieren!

    Ich bin davon überzeugt, dass wir Christen in wenigen Jahrzehnten zu tiefst beschämt sein werden über unseren rückständigen Glauben und unsere vorverurteilende Haltung ggü LTGBQ, so wie wir heute beschämt die Unterdrückung der Frau in der Kirche bereuen, oder die Apologetik der Kirche bzg der Legitimierung von Sklavenhaltung in früheren Zeiten. Wir passen nicht die Bibel an uns an, wenn wir Menschenrechte fordern. Es ist nur peinlich, wenn uns Christen Nichtchristen mahnen müssen, Menschenrechte einzuhalten. Gerade die WM in Qatar sollte uns vor Augen halten, für wie Rückständig die Welt dieses Land hält, weil es keine Menschenrechte würdigt – nicht nur die von LTGBQ. Das sollte uns alamieren, weil noch zu viele Christen laut fordern, dass wir nicht einknicken dürften vor den Forderungen von Homosexuellen (welche eigentlich? Nicht diskriminiert zu werden ist keine Forderung, sondern hoffentlich selbstverständlich!). Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber dieser Artikel macht mir Mut.

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