Eine Neuordnung der Gesellschaft

Teil 1: Das christliche Abendland

Seit dem 12.Mai 2022 kursiert auf Twitter mit #IchBinArmutsbetroffen eine nie dagewesene Offenlegung der eigenen (miesen) finanziellen Verhältnisse, immer so weit wie die Person gerade will. Wer selbst twittert, hat es vielleicht mitbekommen. Eine Politikerin der Linken hat einige Tweets sogar im Bundestag vorgelesen und die Aktion der breiten Masse vorgestellt. Seit einiger Zeit gibt es auch eine Petition*) unter dem Titel „Wir wollen in Würde leben – schafft Armut ab!“, um auch von Seiten der außerparlamentarischen Opposition Druck zu machen auf die Politiker, die lieber über Tankrabatt und Übergewinnsteuer streiten.
Und was soll das überhaupt heißen, Armut? Bei uns in Deutschland, einem der reichsten Länder im christlichen Abendland? Außerdem gibt es ja die Grundsicherung! Alg2! Hartz4! Wir sind ein Sozialstaat! Wer vernünftig wirtschaftet mit seinem kleinen Geld, kommt damit gut über die Runden, schließlich ist das Arbeitslosengeld an den Bedürfnissen eines normalen Bürgers berechnet worden. Wir sind doch keine Unmenschen!

*) Quellen, Anmerkungen und Verknüpfungen findest du am Ende vom Text

Der Statistik zufolge liegt die Armutsgefährdungsschwelle*) aktuell bei 1.300€/Monat für den Einpersonenhaushalt. Demnach gehöre ich auch zu den Armen. Ich bestreite meinen Lebensunterhalt seit langem mit H4 und da ich chronisch krank bin, wird sich daran nach aller menschlich-logischen Voraussicht auch nichts ändern. Biste einmal drin, bleibste drin – das ist die Erfahrung aus den zwanzig Jahren, die es Hartz4 nun gibt.

Bild: J.Pfläging

Aber ich bin ja nicht nur armutsbetroffen, sondern auch Kind Gottes.
Was denkt Gott über Armut?
In der Bibel heißen die Armen meist „Witwen und Waisen“, was mit der damaligen Gesellschaftsordnung zusammenhing: war der Mann, Versorger und Beschützer seiner Familie, weg (verstorben, zumeist), stand den Hinterlassenen*) ein Ende in bitterem Elend bevor, da es nicht üblich war, dass die Frau einen eigenen Beruf erlernte.
Es gab noch keinen Sozialstaat, der Witwenrente und Unterhalt zahlte, und wenn die Nachbarschaft sich ihrer nicht annahm, waren die Hinterlassenen Verlassene.

RUHE! von Anfang an

Aber der Gott Israels hat schon im Alten Testament ein großes Herz für die Verlassenen. Er hat die Witwen, Waisen, Behinderten, Ausländer, Verschuldeten und Unfreien unter seinen persönlichen Schutz gestellt. Israel ist sein Volk, die Leute gehören ihm, und er duldet nicht, dass einer Not leidet oder ungerecht behandelt wird.
Sein heiliges System nimmt seinen Anfang am Anfang – in den sieben Schöpfungstagen. Er legt am 7. Tag nicht deshalb die Füße hoch, weil ihm nichts mehr eingefallen wäre und weil noch Zeit übrig ist, sondern er nennt den 7. Tag in voller Absicht Ruhetag.
Es ist wichtig, regelmäßig Pause zu machen, denn wer durchgehend ackert, kippt irgendwann mit Herzinfarkt, Burnout etc. um. Im Alten Testament ruhten alle am selben Tag, heutzutage wäre es schwierig hinsichtlich Krankenversorgung, Feuerwehr und Notdienst. (Die Polizei hätte wahrscheinlich frei – wenn alle ruhen, macht keiner Quatsch.)
Verkaufsoffene Sonntage hingegen sind nicht nötig. Aufs Ganze gerechnet steigert der Sonntag nicht den Umsatz. Und du schaffst es, dein Leben so zu organisieren, dass du auch ohne frische Brötchen oder Pizza*) nicht verhungerst. Es ist Bequemlichkeit und Angewohnheit.

Ruhen soll auch das Land, das Gott seinem Volk gegeben hat. Alle sieben Jahre wird ein Sabbatjahr*) eingelegt. In der Zeit soll nichts gesät werden und nichts von dem geerntet werden, was das Land von selbst hervorbringt.
Das klingt erst mal ziemlich riskant, denn wovon soll man denn dann leben? Aber Gott lässt niemanden verhungern. Er ist der Versorger. Im sechsten Jahr ist die Ernte größer als in den fünf Jahren zuvor, sie enthält den Lebensunterhalt für das siebte Jahr, das achte Jahr und auch was man im achten Jahr sät, um dann wieder normal ernten zu können.
Natürlich kann es passieren, dass jemand schlecht wirtschaftet oder einfach Pech hat und Schulden macht oder Land verkaufen muss oder sogar sich selbst und seine Familie in die Sklaverei geben muss. Diese Form von Sklaverei*) ist glücklicherweise abgeschafft, aber Armut ist Armut. Biste einmal drin, bleibste drin.

Neuanfang nach 7×7 Jahren

In Gottes Gesellschaftsordnung ist Armut jedoch kein endloses Schicksal!
Nach sieben Sabbatjahren soll das Erlassjahr*) ausgerufen werden zur Versöhnung des Volkes.
Gott hat tatsächlich eine regelmäßige Entschuldung vorgesehen, damit Familien nicht auf Generationen hin die Schulden ihrer unglückseligen Vorfahren abzutragen haben, egal ob es um Geld geht oder um Land oder um ihr Leben und ihre Freiheit. In seinen Gesetzen ist genau festgelegt, wie mit Verkauf und Rückgabe von Grundbesitz umzugehen ist. Er regelt auch, wie versklavte Israeliten zu behandeln sind. Und nach fünfzig Jahren sollen sie wieder frei sein, ihr Land zurück bekommen, und ihre Existenz von neuem aufbauen dürfen.
Und immer wieder betont er: Betrügt einander nicht! Handelt zu meiner Ehre!

Unser angeblich so christliches Abendland ist solange eine kapitalistische Struktur, wie dieses Konzept nicht angewandt und umgesetzt wird: Im Erlassjahr wird Armut beendet.
Und wenn der Staat dann nach den neuen/uralten Maßstäben organisiert ist, sehe ich keinen Grund mehr, Gewalt auszuüben gegen Andersgläubige, Andersdenkende, Reiche, Obdachlose, Flüchtlinge, Ureinwohner, Autofahrer, Fußgänger, Machos oder Genderfreunde – sofern es überhaupt je „Gründe“ gegeben hat.
Aber das nur nebenbei.

Teil 2 erscheint bald.

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*) = Quellen, Anmerkungen und Verknüpfungen
► Petition: https://weact.campact.de/petitions/wir-wollen-in-wurde-leben-schafft-armut-ab
► Armutsgefährdungsschwelle: https://www.tafel.de/themen/armut/wann-gilt-jemand-als-arm/
► Hinterlassene: österreichische Entsprechung der Hinterbliebenen. Ich finde das Wort wesentlich griffiger und direkter
► Pizza: 2021 wurden 26% aller Pizzas am Sonntagabend zwischen 17 und 20 Uhr bestellt. https://www.das-shopsystem.de/magazin/beitrag/Wissen_%C3%BCber_Pizza_Lieferdienste.html
► Sabbatjahr, Erlassjahr: lies 3. Mose Kapitel 25
► Sklaverei: leider ist sie nicht vollständig abgeschafft bzw. verboten in Deutschland. Bei uns leben die meisten Sexsklav:innen von ganz Europa, aber darüber schreibe ich ein andermal.

Julia, Braut Christi, fühlt sich nicht armutsbetroffen, denn um die Finanzen kümmert sich ihr Bräutigam. Er sagt, Statistik und menschlich-logische Voraussicht interessieren ihn nicht.

p.s.: du siehst das anders als ich? Darfst du! Lass uns drüber reden. Nimm dir ein Kommentarfeld und los geht’s

4 thoughts on “Eine Neuordnung der Gesellschaft

  1. Mein Name ist Jxxx Mxx, ich lebe in Frankreich. Ich leide an einer schweren Krankheit, die mich zu a verurteilt
    Der sichere Tod ist Kehlkopfkrebs. Davon abgesehen habe ich eine Summe von 1.770.000 Euro auf meinem Konto bei der Bank, die ich einer vertrauenswürdigen und ehrlichen Person spenden möchte, damit er sie gut gebrauchen kann.
    Wenn Sie an Gott glauben und Gott fürchten und an meiner Spende interessiert sind, kontaktieren Sie mich bitte für weitere Einzelheiten.
    Mail: bearbeitet @ nixda.de

  2. löschet den beitrag von Jxxxx Mxx. er ist ein Betrüger und überall unterwegs. An seinem vermögen ist nix dran und seine adresse gibt es nicht.

    1. Hi Pia!
      Ich weiß, dass die Mail von JxxMxx ursprünglich die eines Betrügers ist/war. Deswegen hab ich sie bearbeitet, ihn umbenannt, Linkse entfernt und die Mailadresse am Ende verschönert: bearbeitet @ nixda.de 😀
      ich will das fragwürdige Angebot in den nächsten Teil meiner Gesellschaftsneuordnung miteinbeziehen, nur deshalb steht die Geschichte des armen, armen Mannes noch hier.

      Anderes Thema, wir kennen uns … von „damals“, als es noch die Printausgabe gab. Ich hab Aboverwaltung und Versand gemacht und wir haben sicher mal ne Mail zum Adressenwechsel oder so getauscht, deine Emaille kommt mir so bekannt vor 🙂
      Herzliche Grüße!

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