Kerzen für den Frieden

Schwarz-weiß Foto: Demonstranten mit Kerzen in den Händen stehen vor dem beleuchteten Leipziger Rathaus. 9. November 1989

Mit Kerzen unterstrichen die Teilnehmer des Schweigemarsches am 9.11.1989 in Leipzig ihre friedlichen Forderungen. (Foto: Friedrich Gahlbeck)

„Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Dieser Satz beschreibt in wenigen Worten die Ereignisse, die am 9. Oktober 1989 in Leipzig ihren Lauf nahmen sowie das Ende einer Diktatur und den Anfang eines wiedervereinten Deutschlands markierten. Ob Horst Sindermann, Mitglied des Zentralkomitees der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), diese ihm zugeschriebenen Worte wirklich so formuliert hat, ist bis heute nicht ganz klar. Allerdings dürften diese Worte all jenen bekannt vorkommen, die den Roman „Nikolaikirche“ von Erich Loest gelesen oder dessen Verfilmung gesehen haben.

Schon den ganzen Tag schien die Atmosphäre 1989 zum Zerreißen gespannt. Man war seitens der politischen Führung bereit, die Montagsdemonstrationen, die sich an die wöchentlichen Friedensgebete anschlossen, niederzuschlagen – notfalls auch mit Waffengewalt. Eine große Zahl an Einsatzkräften wurde positioniert, Wasserwerfer in Stellung gebracht und sogar Schulen und andere Einrichtungen vorsorglich geschlossen, die die Durchführung eines entsprechenden Einsatzes erschweren hätten können.

Diese geballte Macht stand den Demonstranten gegenüber, die ohne jegliche Waffen auch an diesem Tag nach den Friedensgebeten friedlich für Freiheit demonstrieren wollten. Viele hatten Angst, was passieren würde, wenn die Situation eskaliert, wenn eine der beiden Seiten vom Pfad des Friedens abrückt und es zu Ausschreitungen kommt. Mancher Abschiedsbrief wurde an diesem Tag von Demonstranten geschrieben. Und dann geschah das, was man im Nachhinein als eine Art Wunder bezeichnen kann. Zu den Friedensgebeten kamen an diesem Abend viele tausende Menschen, noch weitaus mehr versammelten sich jedoch auf den Plätzen vor der Kirche um friedlich ihr Recht auf Freiheit und Grundrechte einzufordern. Wo immer die Situation in Aggression umzuschlagen drohte, rufen die Demonstranten „Keine Gewalt“. Ein Schießbefehl bleibt aus. Die Staatsmacht beugte sich und der Weg für die Wiedervereinigung wurde zunehmend frei.

Doch warum hat damals funktioniert, was wir uns heute an vielen Stellen so sehr wünschen? Was war damals anders? Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, dass in diesen Tagen ganz viel von Gottes Segen spürbar war.

Bei diesen Zeilen kommt mir ein Zitat von Jimi Hendrix in den Sinn: „Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben.“

Ich schätze, das ist der Schlüssel zu einem Frieden, wie ihn auch Jesus an vielen Stellen der Bibel formuliert hat.

Mittlerweile ist der Tag in einen lauen Sommerabend übergegangen, an dem ich auf der Terrasse sitze und vor einer kleinen Kerze um Frieden bete. 

Micha lebt in Franken. Sie kann immer noch nicht fassen, wie Kerzen und Gebete die politische Wende in der DDR ausgelöst haben.

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