Das Mosaik meiner Banden

Foto: Anastasiia Klimova / unsplash.com

Als Kind hatte ich eine Handvoll Freunde, eine eher lose Bande, mit denen ich spielte und Sachen unternahm. Alles Kinder aus meiner Schulklasse. Später hatte ich noch zwei Freunde in dem kleinen Dorf, in dem ich mit meiner Familie wohnte. Diese hatten mit meiner Schule nichts zu tun. Ich konnte mir meine Freunde nicht wirklich aussuchen und man kann diese Freundeskreise wohl als „Banden“ bezeichnen. In diesen Gruppen war nicht immer alles harmonisch. Es gab Streit und Meinungsverschiedenheiten. Es hat durchaus nicht immer alles zusammengepasst. Aber es war jeweils außer Frage, dass das eben meine Leute waren.

Heute ist das ganz anders. Ich habe schon lange keine zentrale Bezugsgruppe mehr, es gibt nicht mehr die eine Bande. Stattdessen habe ich ein Mosaik. Ich habe Leute, mit denen ich mich für Datenschutz und gegen Überwachung engagiere. Mit anderen spiele ich Pen & Paper Rollenspiele. Ich bin Teil einer Bande, die regelmäßig Contact Improvisation tanzt, ich zähle mich zum A Rocha Freundeskreis Deutschland, der sich für Arterhaltung und Umweltbildung einsetzt und gehöre nicht nur zur Korrekten Bande, sondern auch noch zu einer anderen Redaktion. Seit kurzem spiele ich auch wieder in einer Band, mache also Musik mit Leuten.

All diese „Banden“ haben (fast) keine Schnittmengen. Es gibt ein paar vereinzelte Querverbindungen, teilweise wissen Leute von den anderen Kreisen, in denen ich mich herumtreibe, aber mehr auch nicht.

Ich will meine Banden nicht missen, sie spiegeln die Vielfalt meiner eigenen Interessen wider und ich brauche ja auch die Verbindung zu Gleichgesinnten oder besser noch: gemeinsame Projekte. Ich finde nur sehr wenige Leute, die sich für mehrere meiner Themen interessieren, geschweige denn für alle. Alle diese Banden gehören zu mir, aber es gibt keine, die so etwas wie meine „primäre“ Bande ist. Manchmal frage ich mich, ob mir da etwas fehlt.

Ben ist 41 und hat hier noch nicht mal alle Banden aufgezählt, denen er angehört.

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