6. Dezember – Kein Nikolaus für Nike

Ein paar weiße Sneaker auf Schnee mit ein paar Kiefernzweigen. Das Foto ist rot durchgestrichen.

Na, hast du gestern Abend deine Schuhe geputzt? Alle? Nein, vermutlich nicht. Denn jede Deutsche besitzt durchschnittlich 17 Paar und jeder Deutsche immerhin noch 8 Paar. Viele Schuhe werden regelmäßig aussortiert, weil sie nicht mehr gefallen, weil die Saison zu Ende ist oder weil sie kaputt sind und dann werden neue gekauft: 6 bzw. 2 Paar pro Jahr.

Warum erzähle ich dir das?

Weil Nikolaus einer der wenigen Tag ist, an denen sich viele Menschen mit dem Thema Schuhe beschäftigen. Eine Zahl muss noch sein. Was meinst du, wie hoch ist der Anteil der Schuhe, die recycelt werden, also aus denen tatsächlich wieder ein Schuh entsteht? Immerhin nehmen einige Unternehmen, zb Nike oder Reno, Schuhe zum Recyceln wieder zurück. 50 % oder 20 %?

Nichts dergleichen: läppische 5 Prozent werden recycelt. Der Rest wird downgecycelt, also als minderwertiger Rohstoff verwendet, und zwar als Dämm- oder Füllmaterial oder verbrannt, was so ziemlich die schlechteste Variante ist. Nike wurde bei der Sneakerjagd sogar dabei ertappt, dass sie fabrikneue Sneaker geschreddert haben, anstatt wie beworben aus alten Schuhe neues Material zu gewinnen.

Ich will dir mit diesen Zahlen kein schlechtes Gewissen machen, sondern vielmehr ein Umdenken anregen. Kaufe Schuhe bewusst und möglichst in einem Schuhfachgeschäft, wo du beraten wirst. Denn viele Schuhe landen ungetragen im Müll, weil sie nicht richtig passen. Außerdem können dir Fachverkäufer:innen Auskunft über die potenzielle Haltbarkeit und Reparaturmöglichkeiten geben.

Doch egal, wo du deine Schuhe erwirbst, frag dich vor jedem Schuhkauf: Brauche ich sie wirklich? Zu welchen Anlässen kann und werde ich sie tragen? Lassen sich die Materialien trennen? (Oft scheitert das Recycling daran, dass die Bestandteile dicht miteinander verklebt sind. Übrigens die Hauptquelle für giftige Chemikalien in Schuhen.) Lässt sich der Schuh reparieren?

Letzteres ist übrigens sogar bei Sneakern möglich. Mit wenig Aufwand lassen sich bei fast allen Schuhen Absätze, Sohlen und Einlegesohlen ersetzen. So hast du länger was von deinen Schuhen.

Wie kann man sich eigentlich so viele Schuhe leisten?

Auch dafür gibt es eine Statistik: Mehr als die Hälfte der Deutschen gibt weniger als 30 Euro für ein Paar Schuhe aus. An der Stelle stimmt leider „wer billig kauft, kauft zweimal“. Wer hochwertige, gut verarbeitete Schuhe kauft, kommt in Summe günstiger weg. Ein Rechenbeispiel: Meine Stiefeletten habe ich für 120 Euro gekauft. Ich trage sie seit 7 Jahren. Das macht 17 Euro pro Jahr. Demnächst werde ich sie für den halben Kaufpreis neu besohlen lassen, da sie abgesehen von der Sohle in sehr gutem Zustand sind.

Wer jetzt anklagend den Finger hebt, dass sich manche Menschen keine Schuhe für über 100 Euro leisten können — ja, das weiß ich auch, aber lieber machen als meckern. Was hindert dich, z.B. einer Freundin, die wenig verdient oder von Hartz-IV lebt, einen Schuhkredit zu gewähren: Sie kauft sich ein gutes Paar Schuhe, das länger hält und reparierbar ist und zahlt den Kaufpreis in Raten an dich zurück.

Noch ein letzter Tipp: Über ein wenig Pflege – nicht nur am Vorabend von Nikolaus – freuen sich deine Schuhe.

Bettina besitzt 12 Paar Schuhe. Ein paar Fehlkäufe hat sie inzwischen weiterverschenkt bzw. schlechten Gewissens in den Altkleidercontainer getan.

Wer mehr wissen will, was hinter der Recycling-Masche steckt, kann sich die Sneakerjagd, ein Reportage-Projekt von Flip, NDR und DIE ZEIT, ansehen. Über die Probleme, die beim Recycling auftreten, berichtet die Wirtschaftswoche. Die Zahlen über Schuhe und Schuhkäufe aus dem Text hat Sioux zusammengestellt.

Wie viel Schuhe besitzt du so? Welche davon trägst du wirklich? Hast du Schuhe, die du nicht mehr trägst, aber aus sentimentalen Gründen behältst?

Erzähl uns deine Schuh-Story.

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